Schief ins Leben gebaut und überall beliebt

Sehr angenehm von Wurzen überrascht zeigten sich viele Gäste des RingelnatzSommers 2018, zu dessen Veranstaltungen der Joachim-Ringelnatz-Verein bislang 560 Besucher zählte. Das opulente Angebot, zu dem der Kulturbetrieb Wurzen und das Kulturhistorische Museum das Ihre beitrugen, fand nicht nur bei den Ringelnatzfreunden aus der Region, sondern auch aus Leipzig, Halle und von weiter her Wertschätzung und Zustimmung. Flankiert vom Ringelnatz-Lauf lockte das vielseitige Ereignis zum 135. Geburtstag des Hans Gustav Bötticher alias Ringelnatz über 1000 Gäste in seine Geburtsstadt.

Hoch gewürdigt durch viele Besucher zur Eröffnung und große mediale Aufmerksamkeit wird die Ausstellung des Rostocker Künstlers Feliks Büttner zu Ringelnatz. Noch bis zum 4. November wird sie in der städtischen Galerie gezeigt und belegt, wie Laudator Ulrich Kavka bilanzierte, Gesinnungsverwandtschaft im „Verstehen und Ergreifen der immer auch kritisch durchschauten gesellschaftlichen Wirklichkeiten“ beider Künstler. Das eigens zur Ausstellung erschienene Buch ist in der Wurzener Galerie am Markt zu haben.

Als Geheimtipp wird mittlerweile der Wurzener Ringelnatz-Kunstpfad gehandelt. Kein anderer Stadtpfad habe so eine interessante Mischung aus Stadtgeschichte, Lebensgeschichte und Lebenswerk und Kunst zu bieten, betonte Viola Heß bei der musikalischen Führung über den Pfad mit der Musikerin Ingeborg Freytag. Der Ringelnatzverein werde im nächsten Jahr nicht nur regelmäßig Führungen anbieten, sondern dem Pfad durch ein abrufbares MP3-Format auch noch eine weitere Kunstdimension hinzufügen, mit eigens für die Stationen entstehenden Kompositionen.

Wie der Ringelnatz-Kunstpfad wird auch der RingelnatzSommer mittlerweile durch die Leipziger Tourismus- und Marketing-Gesellschaft vermarktet. Der Verein ist dafür Mitglied im Tourismusverband geworden. In den nahen Großstädten Leipzig und Halle machten in Hotels und Gaststätten Flyer auf das Event im gut erreichbaren Wurzen aufmerksam. Der Ringelnatzverein hat die Kulturveranstaltungen auf zwei Wochenenden um den Geburtstag des Künstlers konzentriert, um auch die Möglichkeit für einen kulturellen Kurztrip mit Übernachtung zu schaffen. Daran werde weiter mit den Touristikern gearbeitet, ist sich der Vorstand einig.

Schon jetzt beginnen die Wurzener Ringelnatzfreunde mit der Planung des nächsten RingelnatzSommers. Wer Sandra Kreisler mit ihren Chansons und Johannes Kirchberg mit dem aufwühlenden Tucholsky-Programm verpasst hat – beide wollen Wurzen und dem Publikum des RingelnatzSommers bei neuer Gelegenheit wieder begegnen und dem Verein mit Rat und Tipp zur Seite stehen. „Ich bin etwas schief ins Leben gebaut“ war nicht nur der Titel des atemberaubenden musikalisch-literarischen Finales mit Stephan König, Michael Breitenbach, Franziska Klimpel lund Elisabeth Fues. Wie dem schrägen Künstler in Wurzen weiter Heimat und Publikum zu bieten ist, wenn sein Geburtshaus saniert wurde, das fordert dem Verein in den nächsten Monaten viele neue Ideen ab.

Schief ins Leben gebaut und überall beliebt
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